Tagebuch, Veit von der Ölmühle (1.2026)

1.1.2026

Bellende Hunde, Sylvester

Die Nacht war insgesamt stark belastend. Die beiden Terrier reagierten auf nahezu jeden einzelnen Böller mit sofortigem Alarmbellen. Jeder Knall wurde als akute Bedrohung interpretiert und entsprechend lautstark gemeldet. Dieses dauerhafte Alarmverhalten erzeugte eine hohe Grundanspannung im gesamten Umfeld.

Für Veit wirkte dieses Verhalten unmittelbar triggernd. Er wurde nicht nur durch die akustischen Reize der Böller selbst belastet, sondern zusätzlich durch die emotionale Aufladung der anderen Hunde. Damit trafen zwei Stressoren gleichzeitig aufeinander: ein unvorhersehbarer äußerer Reiz und eine dauerhaft erhöhte soziale Erregung im direkten Umfeld.

Der zeitliche Verlauf verschärfte die Situation zusätzlich. Ab etwa 22:00 Uhr begann die Geräuschkulisse, erreichte gegen Mitternacht ihren Höhepunkt und ebbte erst in den frühen Morgenstunden gegen 2:00 Uhr langsam ab. Eine echte Erholungsphase war für die Hunde in dieser Zeit kaum möglich. Schlaf kam gar nicht erst zustande.

Aus verhaltensbiologischer Sicht ist eine solche Nacht für Hunde hochproblematisch. Dauerstress, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und anhaltende Alarmreize verhindern die Regulation des Nervensystems. Besonders für sensible oder noch nicht vollständig stabile Hunde wie Veit ist das eine erhebliche Belastung.

Insgesamt war es eine unruhige, für alle Hunde unangenehme Nacht, die weniger über individuelles Verhalten aussagt als über die massive äußere Reizüberflutung. Entscheidend wird sein, wie gut sich Veit in den kommenden Tagen wieder stabilisieren kann, wenn Ruhe und Vorhersehbarkeit zurückkehren.

Treppen

Treppen sind für Veit nach wie vor ein sensibles Thema. Auch wenn bekannte Treppen mit der Zeit ihre Bedrohlichkeit verlieren, braucht er dafür viele Wiederholungen. Sicherheit entsteht durch wiederholte, identische Erfahrungen. Erst wenn sich ein Ablauf verlässlich eingebrannt hat, kann er die Situation ruhig bewältigen.

Problematisch ist dabei weniger die einzelne Treppe als das Prinzip „neue Treppe“. Jede unbekannte Konstruktion wird von Veit erneut als potenziell gefährlich eingestuft. Höhe, Material, Geräusch, Steigung oder Lichtverhältnisse reichen aus, um das bisher Gelernte nicht automatisch zu übertragen. Aus seiner Sicht ist das logisch. Er generalisiert Sicherheit noch nicht, sondern lernt stark situationsgebunden.

Das zeigt keine Sturheit und auch kein Trainingsversagen, sondern eine vorsichtige Reizverarbeitung. Veit prüft gründlich, bevor er sich einlässt. Diese Vorsicht kostet Zeit. Entsprechend ist der Weg noch lang. Es gibt dafür kein Patentrezept und keine Abkürzung. Vertrauen lässt sich nicht beschleunigen, sondern nur stabil aufbauen.

Entscheidend ist, dass Fortschritt trotzdem stattfindet. Jede Treppe, die er sich erarbeitet, erweitert seinen Erfahrungsschatz. Auch wenn der Effekt nicht sofort auf neue Situationen übertragbar ist, legt jede bewältigte Treppe ein weiteres Fundament. Irgendwann wird daraus Generalisierung entstehen, aber erst dann, wenn sein Nervensystem ausreichend Sicherheit abgespeichert hat.

Dass du dafür kein fertiges Rezept hast, ist kein Mangel, sondern realistisch. In solchen Fällen ist Geduld kein pädagogisches Ideal, sondern eine fachliche Notwendigkeit. Der Weg ist weiter, aber er ist erkennbar offen.

5.1.2026

Veit zeigt insgesamt eine deutlich positive Entwicklung. Besonders nachts ist eine klare Verbesserung zu erkennen. Er schläft inzwischen zuverlässig durch, was auf ein gesunkenes Grundstressniveau und mehr innere Sicherheit hinweist. Die Schreckhaftigkeit ist noch vorhanden, hat sich jedoch spürbar reduziert. Reize werden schneller verarbeitet, und Veit findet zunehmend selbstständig in einen ruhigeren Zustand zurück.

Auch im Alltag wird er ausgeglichener. Sein Rückzugsverhalten nimmt ab, was ein wichtiger Indikator für wachsende Umweltkompetenz ist. Der Flur bleibt weiterhin sein bevorzugter Rückzugsort. Das ist nicht problematisch, sondern zeigt, dass er sich einen festen, sicheren Platz gewählt hat, den er situativ nutzt. Solange dieser Ort freiwillig aufgesucht wird und kein dauerhaftes Meideverhalten vorliegt, ist das als stabilisierender Faktor zu werten.

Mein Hütehund

Beim Spaziergang zeigt sich weiterhin ein ausgeprägtes Kontroll- und Hütverhalten. Veit reagiert deutlich unruhig, wenn sich das Menschenrudel und/oder das Hunderudel räumlich trennt. Dieses Verhalten ist konsistent mit einem starken sozialen Bindungsbedürfnis und/oder emotional verankerten Hüteimpuls. Er übernimmt Verantwortung für den Zusammenhalt der Gruppe, was für ihn subjektiv sinnvoll, aber emotional fordernd ist. Hier zeigt sich weniger Unsicherheit als vielmehr ein starkes Bedürfnis nach Struktur und Übersicht. Ich werde es im Blick haben um zu handeln wenn sich das Verhalten verselbstständigt.

Im häuslichen Umfeld fällt auf, dass Besucher sehr schnell in sein soziales Bezugssystem integriert werden. Für Veit gehören sie rasch zum Menschenrudel. Umso schwerer fällt ihm der Abschied. Wenn Besucher gehen, reagiert er manchmal mit leisem Hinterherjaulen, allerdings nursehr kurze Zeit. Dieses Verhalten ist kein Problemverhalten im engeren Sinne, sondern Ausdruck von Bindung und emotionaler Beteiligung. Die geringe Lautstärke zeigt bereits eine Impulskontrolle.

Angenehme Entwicklung von Veit

In der Gesamtbetrachtung entwickelt sich Veit zu einem angenehmen, sozial orientierten Hund. Seine Fortschritte sprechen für wachsende Sicherheit, zunehmende Selbstregulation und eine stabile Bindung. Die verbleibenden Themen sind gut einordenbar und bieten eine solide Grundlage für weiteres ruhiges, strukturiertes Arbeiten.

Immer noch Kratzen

Veit beißt und kratzt sich immer noch. Oder wieder. Ich habe gestern wieder meine normale Fleischration gefüttert. Doof von mir. Das Kratzen wird mehr. Ich mache eine neue Ausschlussdiät. Diesmal aber richtig.

Verdacht

Verdacht: Futterreaktion oder Allergie
Das vermehrte Lecken und Beißen, insbesondere an den Beinen, in Kombination mit geröteten Hautstellen, ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Die Gefahr eines Leck-Ekzems ist real. Dieses entsteht nicht primär durch die Haut selbst, sondern durch eine dauerhafte Reizung, meist ausgelöst durch Juckreiz. Juckreiz wiederum hat sehr häufig eine allergische oder pseudoallergische Ursache. Mein Verdacht ist daher fachlich absolut nachvollziehbar.

Einordnung der bisherigen Fütterung
Meine bisherige Fütterung aus rohem Rindfleisch, Innereien, rohem Pansen und gekochtem Gemüse ist grundsätzlich hochwertig und hat sich bei meinen Hunden über viele Jahre bewährt. Trotzdem gilt: Eine Unverträglichkeit oder Allergie kann sich jederzeit entwickeln, auch nach langer problemloser Fütterung. Das Immunsystem lernt, und genau darin liegt das Problem. Rind könnte der Allergieauslöser sein, ebenso bestimmte Innereien oder Zusätze, selbst wenn sie naturbelassen sind.

Bewertung der Ausschlussdiät
Der Beginn einer konsequenten Ausschlussdiät ist ein fachlich saubere Schritt. Wichtig ist dabei vor allem eines: radikale Konsequenz. Keine Leckerchen, keine Kauartikel, keine Zusätze, nichts „nebenbei“. Das von mir gewählte Dosenfutter halte ich dafür geeignet, da es klar deklariert ist und ich es über Jahre selbst getestet habe. Das schafft eine stabile Ausgangsbasis.

Wichtig ist, der Haut jetzt Zeit zu geben. Erste Verbesserungen zeigen sich oft schon in ein paar Tagen, eine echte Beurteilung ist jedoch erst nach mehreren Wochen möglich. Parallel solltest du die betroffenen Hautstellen im Blick behalten. Wenn das Lecken aufhört sollten die Lech-Stellen schnell abheilen. Zur Desinfektion verwende ich Teebaumöl.

Wenn das Lecken komplett aufgehört hat kann ich langsam beginnen einzelne Futterteile hinzuzufügen. So ist beim Auftreten des Juckreizes einfach zu erkennen welches Futtermittel jetzt den Juckreiz/Allergie auslöst.

Lernen

Lernen und emotionale Stabilität
Beim Lernen sind deutliche Fortschritte erkennbar. Je ruhiger und ausgeglichener Veit wird, desto besser kann er lernen. Das ist kein Zufall, sondern entspricht grundlegenden lernbiologischen Zusammenhängen. Ein Hund, der innerlich unter Stress steht, lernt nicht effizient. Sinkt das Stressniveau, wird das Gehirn aufnahmefähig. Genau das ist bei Veit zu beobachten. Seine zunehmende Ruhe bildet die Grundlage für nachhaltiges Lernen.

Lernbereitschaft und kognitive Fähigkeiten
Veit zeigt eine klare Lernwilligkeit. Er arbeitet mit, bietet Verhalten an und bleibt geistig präsent, allerdings ist die Lerndauer noch zeitlich ziemlich begrenzt. Eine gewisse Cleverness ist auch unverkennbar. Er verknüpft Situationen schnell, erkennt Zusammenhänge und passt sein Verhalten entsprechend an. Diese Kombination aus Lernfreude und kognitiver Flexibilität ist eine sehr gute Voraussetzung für weiteres Training.

Bestätigung im Alltag
Ich verstärke, alltägliches, erwünschtes Verhalten bewusst. Lernen findet nicht nur in formalen Trainingseinheiten statt, sondern vor allem im Alltag. Wenn Veit auf meinen Ruf reagiert und zu mir kommt, wenn er aus dem Garten selbstständig wieder ins Haus geht, wenn er sich von sich aus ablegt oder ruhig bleibt, wenn am Tisch gegessen wird, dann sind das genau die Momente, in denen Lernen verankert wird. Durch die Bestätigung dieser Situationen lernt Veit, welches Verhalten sich lohnt, ohne dass Druck oder Korrektur notwendig sind.

Einordnung
Ich arbeite nicht über isolierte Kommandos, sondern über Beziehung, Struktur und klare Rückmeldung. Das stärkt Sicherheit und Orientierung. Veit lernt so selbstständig gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Genau das fördert Ruhe, Selbstkontrolle und Zuverlässigkeit. Der Lernfortschritt ist damit nicht nur sichtbar, sondern auch stabil.

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