Tagebuch, Veit von der Ölmühle (Dezember 2025)

Allgemein

Name – Veit von der Ölmühle
Rasse – Deerhound
Geschlecht – Rüde
geboren – 27.8.2024
Farbe – grau gestromt
bei mir seit – 20.12.2025 (1 Jahre 3 Monate und 23 Tage)

18.12.2025

Die Planung beginnt

Nachdem ich die ersten Heulattacken hinter mich gebracht und Lord Cameron innerlich verabschiedet hatte, stand für mich fest: Ich brauche wieder einen Hund. Ein kurzer gedanklicher Abstecher zum Flat Coated Retriever dauerte nur wenige Stunden. Schnell merkte ich, dass mein Herz weiterhin am Deerhound hängt – und damit an der Ölmühle. Dort hatte ich vor vier Jahren Lord Cameron bekommen.

Also rief ich Jürgen Rösner-Papenfuß an, den Inhaber des Zwingers von der Ölmühle. Ich teilte ihm mit, dass Lord Cameron verstorben ist und ich gerne wieder einen Deerhound-Welpen hätte. Seine Antwort traf mich unerwartet: Er habe gerade einen Wurf, abgabebereit in zwei Wochen. Ich könne aber schon vorher vorbeikommen und mir die Welpen ansehen.

Natürlich wollte ich das. Wir vereinbarten einen Termin für Samstag – zwei Tage später. Der Gedanke, die Welpen zu sehen, gab mir zum ersten Mal seit Lord Camerons Tod wieder ein positives Hundegefühl.

20.12.2025

Zu Besuch in der Oelmühle

Der Besuch in der Ölmühle verlief von Beginn an ruhig und klar. Jürgen Rösner-Papenfuß empfing mich herzlich. Seine erste Frage war direkt: Was willst du eigentlich – einen Welpen oder einen bereits erwachsenen Hund? Meine spontane Gegenfrage kam ebenso direkt: Du hast einen erwachsenen Hund? Seine Antwort war knapp: Ja, den Veit.

Wir gingen zu den Zwingern, und dort zeigte er mir Veit. Wir beschnupperten uns im wörtlichen wie im übertragenen Sinn und waren uns auf Anhieb sympathisch. Veit war ein völlig anderer Hund als Lord Cameron. Jung, verspielt, körperlich etwas kleiner aber verhältnismäßig besser bemuskelt. Viel verspielter, noch schmusiger als Cameron und super lieb zu allem was zwei oder vier Beine hat. Ein Hund mit einer ganz eigenen Ausstrahlung. Ein Jahr und vier Monate alt, also mitten in der klassischen Sturm-und-Drang-Phase eines jungen Deerhounds.

Es folgte eine kurze Überlegung. Meine Frau und ich waren uns schnell einig: Wir nehme doch keinen Welpen, wir nehmen Veit. Nicht zuletzt auch deshalb, weil damit die intensive Welpenarbeit entfiel. Bei einer Tasse Kaffee wurden Jürgen und ich uns rasch handelseinig. Die Verträge wurden unterschrieben, die Papiere ausgetauscht, Geld überwiesen. Ein wenig Smalltalk, dann kam Veit ins Auto, und wir machten uns auf den Heimweg.

Die fahrt nach Hause

Die Fahrt verlief vollkommen problemlos. Kein Jaulen, kein Erbrechen, kein auffälliges Verhalten. Lediglich das Einsteigen ins Auto bereitete Veit zunächst Schwierigkeiten. Mit etwas Geduld, ein wenig Hilfestellung und sanftem Nachdruck ließ sich dieses Problem jedoch lösen. Dass dieses „kleine“ Einsteigeproblem zu Hause zu einem größeren Thema werden sollte, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Veit kannte keine Treppen. Er fand sie ausgesprochen unheimlich. Weder hinauf noch hinunter wollte er sich bewegen. Wir wohnen jedoch im ersten Stock. Jeder Weg führte zwangsläufig über eine Treppe: nach Hause, in den Garten zum Pipi machen, zur Hunderunde. Es waren keine langen Treppen, nur wenige Stufen – doch bereits zwei Stufen stellten für Veit ein absolutes No-Go dar. Zureden half nicht. Am Ende blieb nur, ihn Stück für Stück zu tragen und mit vorsichtigem Nachdruck zu unterstützen.

Unser Schlafzimmer, in dem bereits eine Decke für ihn lag, wurde schnell zu seinem Rückzugsort. Dort kam er zur Ruhe. Und das war in diesem Moment genau richtig. Seine Nervösität legte sich langsam. Sehr langsam. Alles Neu, die bisherigen Kumpels nicht da, Fressen war auch anders. Im Moment ist alles doof, aus seiner Sicht.

Die Nacht war aus Veits Perspektive alles andere als ruhig. Die innere Anspannung war deutlich erhöht. Er lief viel umher, kam nicht zur Ruhe und wirkte dauerhaft in Alarmbereitschaft. Obwohl ihm mehrfach der Gang nach draußen angeboten wurde, verweigerte er den Abstieg über die Treppe. Diese Blockade ist kein Ungehorsam, sondern eine stressbedingte Handlungslähmung. In solchen Zuständen werden bekannte Abläufe kurzfristig unzugänglich.

Aufgrund der hohen Erregung konnte Veit weder Urin noch Kot absetzen. Weder im Garten noch beim Spaziergang kam es zur Lösung. Das ist ein typisches Stressphänomen. Unter starker emotionaler Belastung wird die Ausscheidung gehemmt, da der Körper sich im Modus der Gefahrenabwehr befindet und mengen weise Adrenalin ausschüttet. Erst wenn das Nervensystem in einen ruhigeren Zustand zurückkehrt, werden solche Funktionen wieder freigegeben.

Die Folge war ein nächtlicher Urinabsatz in der Wohnung. Auch das ist kein Rückschritt in der Stubenreinheit im eigentlichen Sinne, sondern eine direkte Konsequenz aus Überforderung, Schlafmangel und fehlender Entlastung. Der Hund konnte in diesem Moment nicht anders handeln. Wichtig ist die Einordnung: Dieses Verhalten ist situativ erklärbar und kein grundsätzliches Problem.

Solche Nächte treten häufig in den ersten Tagen/Wochen nach großen Veränderungen auf. Sie sind Ausdruck davon, dass das Erlebte noch nicht verarbeitet ist. Entscheidend ist nun, ruhig zu bleiben, Abläufe weiter anzubieten und keine zusätzliche Bedeutung in diesen Vorfall zu legen. Mit zunehmender Sicherheit, Wiederholung und emotionaler Stabilisierung wird sich auch dieses Thema regulieren.

21.12.2025

Treppe

Gestern haben wir erneut an der Zwei-Stufen-Treppe geübt. Der Erfolg war überschaubar. Die Treppe funktioniert derzeit nur mit moderatem Zwang. Schön ist das nicht, aber im Moment unvermeidbar.

Der Garten

Der Garten hingegen ist ganz klar sein Revier. Groß, Wiese, Platz zum Toben und Laufen, überall Gerüche und Dinge, die entdeckt werden wollen. In vielem erinnert er wohl an den ihm bekannten Zwinger, nur deutlich größer. Über 2000 Quadratmeter bieten genug Raum, um auch einmal im Galopp loszulegen. Das nutzt Veit aus.

Sowohl die kleinen als auch die großen Geschäfte wurden zuverlässig erledigt. Das ist ein gutes Zeichen. Die gestrige Fleisch-Pansen-Gemüse-Ration zeigte sich heute im Kot: fest, kein Durchfall, alles gut vertragen. Vielleicht haben wir Glück, und das Darmmikrobiom stellt sich zügig und ohne größere Probleme um.

Die Treppe bleibt jedoch das große Thema. Nach wie vor bereitet sie ihm erhebliche Schwierigkeiten. Heute werden wir gezielt daran arbeiten, dass Veit seine Hinterhand wahrnimmt und bewusst einsetzt. Die Vorderhand bekommt er inzwischen ordentlich auf die Stufen. Nach zwei Stufen ist jedoch Schluss. Ab diesem Punkt müsste die Hinterhand folgen, doch genau die scheint für ihn derzeit nicht zu existieren. Offenbar ist die Erkenntnis, dass dort hinten noch Beine sind und man sie aktiv benutzen kann, noch nicht angekommen.

Der erste Spaziergang

Mittags haben wir einen etwa einstündigen Spaziergang in einem Park unternommen. Viele Menschen, viele Hunde, insgesamt aber eine ruhige Umgebung. Für Veit war das alles völlig unproblematisch. Menschen sind in Ordnung, Kinder findet er besonders interessant, Hunde werden kurz beschnuppert, dann ist die Sache erledigt. Insgesamt wirkte er ausgesprochen entspannt. Die Leinenführigkeit ließ anfangs noch zu wünschen übrig. So oft, wie ich über ihn gestolpert bin, weil er mir wieder direkt vor die Füße lief, bin ich noch über keinen Hund gestolpert. Nach etwa dreiviertel Stunde lief er jedoch bereits locker bei Fuß. Ohne Ziehen, ohne Ansage von mir. Auffällig war, dass er jede meiner Richtungsänderungen sofort mitging. Er hatte mich permanent im Blick und orientierte sich klar an mir. Eine sehr gute und hilfreiche Eigenschaft.

Der Spaziergang endete in einem Restaurant. Es war relativ leer. Veit legte sich ruhig in eine Ecke, beobachtete das Geschehen und blieb entspannt. Genau so verhält sich ein Hund, den man problemlos mitnehmen kann.

Übrigens: Das Ein- und Aussteigen ins Auto klappt inzwischen ohne Hilfe. Auch das sind immerhin zwei Stufen. Ein kleiner, aber wichtiger Fortschritt.

In den vergangenen zwei Tagen hat sich deutlich gezeigt, dass Veit ein sehr aufmerksamer, neugieriger und wissbegieriger Hund ist. Das sind hervorragende Voraussetzungen für die Zukunft, für Lernen und für Ausbildung.

Der Tag endete durchweg positiv. Das Futter wurde abends gerne, wenn auch langsam, angenommen. Fleisch ist gut, Pansen ist gut, Gemüse eher so mittel. Insgesamt bin ich mehr als zufrieden.

Der unruhige Geist

Veit ist weiterhin fast durchgehend im Trab unterwegs. Er wirkt innerlich stark getrieben und kommt weder tagsüber noch nachts zuverlässig zur Ruhe. Um ihn zumindest während der Nacht herunterzufahren, bekommt er eine drei Meter lange Hausleine angelegt. Er liegt direkt neben meinem Bett und ist angeleint. Drei Meter Radius decken übrigens fast 30 Meter (28,27) Fläche ab.

Diese Maßnahme wird von Außenstehenden häufig emotional bewertet. Der Reflex lautet oft: „Der arme Hund.“ Diese Einschätzung ist fachlich nicht haltbar. Die Hausleine stellt keine Strafe dar und bedeutet keinen Verlust von Freiheit/Sicherheit. Im Gegenteil. Durch die Leine wird das unruhige Umherlaufen begrenzt. Genau diese Begrenzung wirkt auf Veit stabilisierend. Er muss keine Entscheidungen treffen, keine Räume kontrollieren und keine Reize abarbeiten. Das Nervensystem kann herunterfahren. Er kommt zur Ruhe und schläft.

Der Effekt ist klar messbar. Nach einer Nacht mit ausreichendem Schlaf ist Veit am Morgen psychisch deutlich stabiler, weniger reaktiv und besser ansprechbar. Schlaf ist eine zentrale Voraussetzung für emotionale Regulation und Lernfähigkeit. Ohne Schlaf kann kein Hund verarbeiten, was er tagsüber erlebt. Die Hausleine fungiert hier als äußere Struktur, die innere Ordnung ermöglicht.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist die Stubenreinheit. Veit hält seinen Schlafplatz sauber, so wie er es bereits im Welpenalter gelernt hat. Muss er sich lösen, bleibt ihm nur ein Weg: Er muss mich wecken. Dieses Signal funktioniert zuverlässig. Unkontrolliertes Umherlaufen und stressbedingtes Absetzen in der Wohnung entfallen vollständig.

Aus verhaltensbiologischer Sicht ist diese Maßnahme sinnvoll, zeitlich begrenzt und dem Hund gegenüber fair. Sie ersetzt keine Erziehung, sondern schafft die Voraussetzung dafür. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Veit die Hausleine in einigen Tagen nicht nur akzeptiert, sondern aktiv einfordert, weil sie für ihn mit Ruhe, Sicherheit und Schlaf verknüpft ist.

22.12.2025

Nach einer ruhigen Nacht und einem frühen Aufstehen gingen wir direkt in den Garten. Natürlich wieder über die Treppe nach unten, und natürlich war das Treppenthema noch präsent. Aber das Zerren, Schieben und Ziehen war deutlich weniger nötig. Nach erledigtem Geschäft ging Veit ganz von allein die Treppe wieder hinauf. Noch etwas wackelig, aber selbstständig. Mehr kann man an dieser Stelle nicht erwarten. Zwei Stunden später klappte es auch allein die Treppe hinunter und wieder hinauf. Damit war das Treppenproblem im Kern gelöst. Offenbar hatte Veit nun verstanden, dass am Ende des Hundes noch Beine sind – und dass man diese auch gezielt einsetzen kann.

Halsband kaufen, wieder viele Menschen und Hunde

Da ein echter Windhund ein ordentliches Halsband braucht, stand der nächste Programmpunkt fest. Nicht übertrieben breit, aber spürbar breiter als ein normales Halsband sollte es sein. Also Hund ins Auto und ab nach Bielefeld zu Hunter. Dort kaufe ich gern. Liegt fast vor der Haustür. Normalerweise ist dort alles ruhig, gut sortiert und entspannt. Heute allerdings nicht. Rund zwanzig Hunde und etwa vierzig Menschen tummelten sich im Laden. Und Veit und ich mitten hindurch. Ohne Knurren, ohne Anmache, ohne Ziehen. An lockerer Leine gingen wir an allen Hunden und ihren Besitzern vorbei. Genau so stellt man sich das vor. Als Belohnung gab es ein sehr schönes Halsband aus butterweichem Fettleder.

Auf dem Rückweg musste ich noch kurz in den Baumarkt. Veit blieb allein im Auto. Zur Sicherheit stellte ich eine Kamera auf. Im Nachhinein völlig überflüssig. Veit lag im Auto und döste vor sich hin. Kein Bellen, kein Jaulen, nichts zerstört. Wieder zu Hause ging es durch den Garten und anschließend die Treppe hinauf. Ganz allein.

Der Hühnerjäger

Am Nachmittag habe ich erneut versucht, Veit mit den Hühnern zusammenzuführen. Dieser Versuch ist gescheitert. Es gab zwar kein totes Tier, zwei Hühner trugen jedoch leichte Blessuren davon.

Interessant war jedoch Veits Verhalten im Detail. Er jagte die Hühner, fing eines mit dem Fang und fixierte es mit den Pfoten. An diesem Punkt brach das Jagd-Verhalten ab. Veit machte nicht weiter. Stattdessen sah er mich an, fast so, als würde er fragen: Und nun? Was soll ich jetzt tun?

Die klassische Jagdkette – jagen, fangen, töten, fressen – wurde nach dem ‚fangen‘ unterbrochen. Genau an dieser Stelle stoppte das Verhalten. Das ist ein wichtiger Befund. Er zeigt, dass zwar ein ausgeprägter Jagdimpuls vorhanden ist, die Kette jedoch nicht vollständig durchläuft. Das ist keine Entwarnung, aber eine gute Ausgangslage für weiteres Management und gezielte Arbeit.

Futter und Fressverhalten

Auch beim Fressen zeigen sich Veränderungen. Veit frisst inzwischen deutlich schneller und vor allem vollständig. Das Futter bleibt nicht liegen, es wird konsequent aufgenommen. Futterneid gegenüber Menschen ist nicht vorhanden. Ich kann ihm das Futter problemlos wegnehmen, ohne Spannung, ohne Drohverhalten, ohne jede Form von Absicherung. Das spricht für eine gute Grundsouveränität im direkten Umgang.

Demgegenüber steht jedoch ein ausgeprägtes Beute- und Klauverhalten. Alles, was essbar ist, betrachtet Veit als seins. Und zwar kompromisslos. Alles, was erreichbar ist, wird genommen. Unabhängig davon, ob es ihm gehört oder nicht. Das Problem liegt weniger im Willen als in den Fähigkeiten: Veit kommt nahezu überall dran. Arbeitsflächen, Tische, Ablagen – Reichweite ist für ihn kein begrenzender Faktor.

Dieses Verhalten ist klar zu trennen vom klassischen Futterneid. Es handelt sich nicht um Verteidigung, sondern um opportunistisches Beuteverhalten. Finden, sichern, behalten. Ohne Aggression, aber mit Konsequenz. Das ist weder ungewöhnlich noch überraschend, muss aber strukturiert gemanagt und sauber trainiert werden.

23.12.2025

Die Nacht verlief insgesamt ruhig. Veit weckte mich zwar gegen 2:30 Uhr, weil er nach draußen musste, danach schliefen Hund und Herrchen jedoch bis etwa 7:30 Uhr weiter. Tagsüber wirkt er noch relativ unruhig. Vermutlich sucht er seine bisherigen Kumpel aus dem Zwinger, und zusätzlich ist hier schlicht alles anders. Das ist nicht überraschend, es ist erst der dritte Tag. Sein Wesen bleibt dabei weiterhin angenehm.

Klicker konditioniert

Heute habe ich begonnen, den Klicker zu konditionieren. Seine Aufmerksamkeit war dabei noch suboptimal. Das passt zum Gesamtbild: Im Moment verarbeitet Veit vor allem seine neue Umgebung, Lernen steht aktuell noch nicht im Vordergrund.

Am dritten Tag zeigt sich deutlich, dass er beginnt, die Wohnung zu erkunden. Er beschränkt sich nicht mehr nur auf das Schlafzimmer als Rückzugsort, sondern läuft durch alle Räume. Alles wird untersucht, beschnuppert und anschließend oft mit einem hastigen Rückzug quittäsziert. Besonders bewegte Dinge oder Geräusche verunsichern ihn. Alles ist neu, alles ist potenziell gruselig. Sein bisheriges Umfeld bestand aus Zwinger und großer Auslaufwiese, mehr nicht. Entsprechend reagiert er auf Alltagsgeräusche: Tupperdose öffnen, Toilettenspülung, Stuhl rücken, Mikrowelle. Die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Er ist eindeutig ein kleiner Angsthase. Gleichzeitig ist er neugierig, und genau das ist entscheidend.

Besuch bei meinem Sohn

Heute stand außerdem ein Weihnachtsbesuch bei unserem Sohn an. Für Veit erneut eine völlig neue Situation: fremde Räume, neue Gerüche, neue Menschen. Ich setzte mich bewusst auf einen Stuhl in eine Ecke, um Abstand zum größten Trubel zu schaffen. Veit legte sich neben mich und blieb ruhig. Zwischendurch stand er auf, um sich etwas Nähe und Streicheleinheiten abzuholen, verbrachte den rund dreistündigen Besuch aber insgesamt sehr entspannt.

Mir tut das ja selbst leid den Veit so zu stressen. Aber in den Weihnachtstagen geht es leider nicht anders.

Futter gut

Abends gab es Futter. Das Barf nimmt er hervorragend an. Er frisst gut, und die Verdauung ist optimal. Der Kot ist fest und dunkel, genau so, wie man es sich wünscht.

Kuriosität beim Spazieren gehen.

Eine kleine Kuriosität zeigt sich beim Spazierengehen. Wir sind ein bis zwei Stunden unterwegs, und Veit hebt kein einziges Mal das Bein, erledigt weder kleine noch große Geschäfte. Sobald wir wieder zu Hause sind und ich ihn in den Garten lasse, passiert beides sofort. Offenbar ist der Garten für ihn aktuell der einzig sichere Ort für diese Dinge.

Der Garten, ein großer Zwinger

Ich gehe davon aus, dass der Garten für Veit im Moment eine Art großer Zwinger ist. Ein vertrauter, klar begrenzter Raum, in dem er sich sicher fühlt. Dort hält er sich gern auf. Wahrscheinlich erinnert ihn der Garten an seinen bisherigen Zwinger, den er kannte und in dem er sich offenbar wohlgefühlt hat. Öffnet sich die Tür, ist Veit sofort draußen. Er schaut, schnüffelt, erledigt seine Geschäfte. Ebenso schnell kommt er aber auch wieder herein. Der Garten dient ihm nicht als Aufenthaltsraum, sondern als funktionaler, sicherer Ort.

Der Garten ist ausbruchssicher, was zusätzliche Sicherheit gibt. Auch die Wendeltreppe mit ihren 23 Stufen stellt inzwischen kein Problem mehr dar. Sie wird selbstverständlich genutzt, ohne Zögern, ohne Unsicherheit.

Die Hühner bleiben vorerst eingesperrt. Das ist eine notwendige Managementmaßnahme und im Moment nicht verhandelbar. Obwohl Veit mich jedes mal im Garten danach fragt. Er ist eben ein Jäger.

24.12.2025

Die Nacht verlief durchgehend ruhig. Als meine Frau und ich ins Bett gingen, war auch für Veit Ruhe angesagt. Er legte sich hin und schlief. Ohne Unruhe, ohne nächtliches Umherlaufen. Auch der Morgen begann angenehm. Gegen 7:30 Uhr meldete er sich, dann ging es direkt nach draußen in den Garten. Dort erledigte er seine Geschäfte und drehte noch eine kurze Runde im Lauf, bevor wir wieder hineingingen.

Morgens bekommt Veit derzeit noch eine kleine Futterportion. Langfristig möchte ich das auf eine Mahlzeit am Tag zurückführen. Im Moment dient die kleine Morgenration vor allem der Struktur und der Sicherheit im Tagesablauf.

26.12.2025

Erstes mal im Hundeverein

Heute waren wir im Hundeverein. Anwesend waren sechs Hunde, denen Veit zuvor noch nie begegnet war. Er zeigte ein ruhiges und differenziertes Sozialverhalten. Einzelne Hunde wurden kurz und sachlich beschnuppert, ohne Aufdringlichkeit oder Spannungsaufbau. Der überwiegende Teil der Hunde war für ihn offensichtlich nicht relevant und wurde von ihm ignoriert.

Positiv auffällig war das vollständige Ausbleiben problematischer Verhaltensweisen. Veit zeigte weder aggressives Verhalten noch ein impulsives Hinlaufen. Es kam zu keinem Zerren an der Leine, keiner übersteigerten Erregung und keiner Fixierung. Seine Aufmerksamkeit blieb bei mir, trotz der neuen sozialen Situation und der Vielzahl unbekannter Reize.

Dieses Verhalten spricht für eine gute Reizverarbeitung und eine stabile Impulskontrolle. Veit war in der Lage, zwischen sozial relevanten und irrelevanten Reizen zu unterscheiden und angemessen zu reagieren. Für einen Hund in seinem Alter und mit noch laufender Pubertätsentwicklung ist dieses Maß an Selbstregulation und sozialer Gelassenheit fachlich als sehr positiv zu bewerten. Es zeigt, dass die bisherige Führung, Struktur und das Training eine tragfähige Grundlage geschaffen haben. Besonders wenn man bedenkt, dass Veit ein schreckhafter und ängstlicher aber doch neugieriger Hund ist.


Aktueller Verhaltensstand von Veit

Grundstimmung und Schreckhaftigkeit

Veit wird insgesamt ruhiger, zeigt jedoch weiterhin eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit. Neue Reize werden von ihm grundsätzlich als potenziell gefährlich eingestuft. Typisch ist sein Rückzugsverhalten: Er verlässt das Wohnzimmer im Trab, zieht sich in den Flur zurück und wartet dort ab. Nach kurzer Zeit kehrt er selbstständig zurück. Dieses Verhalten zeigt, dass er zwar unsicher ist, sich aber zunehmend selbst regulieren kann. Das ist ein positives Zeichen. Die Angst ist noch vorhanden, sie eskaliert jedoch nicht mehr dauerhaft.

Verhalten im Außenbereich

Draußen beim Spazierengehen ist Veit deutlich hibbeliger als in der Wohnung. Die Vielzahl an Umweltreizen überfordert ihn noch. Seine Aufmerksamkeit springt stark, die Erregung ist hoch. Das Fußlaufen gelingt erst nach etwa dreißig Minuten. Das deutet darauf hin, dass er Zeit braucht, um Stress abzubauen und in einen lernfähigen Zustand zu kommen. Dieses Verhalten ist für unsichere Hunde typisch und kein Zeichen von Ungehorsam.

Lernverhalten und Motivation

Veit ist neugierig und wissbegierig. Das Klickertraining nimmt er gut an. Er zeigt eine schnelle Verknüpfung zwischen Marker und Belohnung. Diese Kombination aus Neugier, Lernbereitschaft und positiver Reaktion auf den Klicker ist eine sehr gute Grundlage für weiteres Training. Sie ermöglicht sauberes, kleinschrittiges Arbeiten ohne zusätzlichen Druck.

Bindung und Orientierung

Veit hat mich klar als seine Bezugsperson akzeptiert. Er orientiert sich stark an mich und folgt mir häufig. Dieses Verhalten ist kein Kontrollproblem, sondern Ausdruck von Sicherheitssuche und Bindung. Für einen unsicheren Hund ist diese Orientierung ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Sie bietet dir die Möglichkeit, Führung ruhig, verlässlich und berechenbar zu gestalten.

Nächtliche Ruhephasen

Nachts liegt Veit ruhig auf dem Fußboden neben dir im Schlafzimmer. Er zeigt dabei ein entspanntes Verhalten und kommt gut zur Ruhe. Muss er nachts hinaus, meldet er sich zuverlässig. Du lässt ihn dann in den Garten, wo er sich kurz löst und anschließend selbstständig wieder ins Haus kommt. Dieses Verhalten zeigt eine gute Impulskontrolle und ein stabiles Sicherheitsgefühl in der Nacht. Morgens gegen 7:30 Uhr signalisiert er deutlich, dass der Tag beginnen soll. Auch das ist ein normales, gut strukturiertes Verhalten und zeigt, dass er sich zeitlich orientieren kann.

Pubertät

Die Pubertät von Veit ist noch nicht abgeschlossen. In dieser Phase können sich Verhalten und emotionale Stabilität noch deutlich verändern. Aktuell zeigt er keine typischen pubertären Merkmale wie Beinheben oder ein ausgeprägtes Interesse an läufigen Hündinnen. Das spricht dafür, dass die hormonelle und neuronale Umstrukturierung im Gehirn noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Mit seinen sechzehn Monaten ist es sehr wahrscheinlich, dass sich in den kommenden Monaten noch Veränderungen zeigen. Dazu können temporäre Unsicherheiten, erhöhte Reaktivität oder auch scheinbare Rückschritte im Training gehören. Diese sind entwicklungsbedingt und kein Zeichen von Fehlentwicklung.

Gesamtbewertung

Veit befindet sich in einem nachvollziehbaren Entwicklungs- und Anpassungsprozess. Seine Schreckhaftigkeit ist noch vorhanden, wird aber zunehmend besser reguliert. Die ruhigen Nächte, seine Lernbereitschaft, die gute Annahme des Klickertrainings und die klare Bindung an mich sind sehr stabile Faktoren. Die noch laufende Pubertät erklärt, warum Veränderungen weiterhin möglich sind. Entscheidend bleibt, ihm Zeit zu geben, Reize dosiert zu setzen und Führung konsequent über Ruhe, Struktur und Verlässlichkeit zu gestalten.

28.12.2025

Die erste Stresswoche

Veit hat seine erste Woche geschafft. Diese Anfangsphase war für ihn deutlich belastend. Viele neue Eindrücke, eine unbekannte Umgebung, keinerlei zeitlich lange vertraute Sozialkontakte und zusätzlich die Situation, dass die Hunde innerhalb der Familie ihn bislang nicht akzeptieren. Das ist für einen jungen, unsicheren Hund eine erhebliche Stressbelastung. Dass Terrier dabei wenig diplomatisch sind, verschärft die Lage zusätzlich, erklärt sie aber.

Die Routine greift

Trotz dieser Rahmenbedingungen ist eine klare Entwicklung erkennbar. Die anfängliche Daueranspannung lässt nach. Erste Routinen greifen. Reize, die zu Beginn massiv verunsichert haben, verlieren an Bedrohlichkeit. Die bekannten Treppen sind inzwischen kein Angstauslöser mehr. Wiederkehrende Geräusche werden nicht mehr mit panischem Rückzug beantwortet, sondern lediglich mit erhöhter Aufmerksamkeit. Das zeigt eine beginnende Habituation. Veit lernt, zwischen tatsächlich relevanten und harmlosen Reizen zu unterscheiden. Aber langsam.

Diese Veränderungen sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von Zeit, Wiederholung und verlässlicher Führung. Das Klickertraining trägt seinen Teil dazu bei. Die Lernfortschritte sind nicht spektakulär schnell, aber stabil. Genau das ist in dieser Phase entscheidend. Lernen unter Stress ist nur begrenzt möglich. Erst wenn sich ein Grundgefühl von Sicherheit etabliert, kann nachhaltiges Lernen stattfinden.

Insgesamt zeigt sich, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Veit verarbeitet seine Umwelt zunehmend ruhiger, reagiert weniger impulsiv und beginnt, Erfahrungen einzuordnen statt vor ihnen zu flüchten. Das Tempo ist angemessen. Es gibt keinen Grund zur Eile. Entwicklung braucht Zeit, und diese Zeit bekommt er.

29.12.2025

Der Schalter

Heute hat man deutlich den Eindruck, als sei bei Veit ein Schalter umgelegt worden. Sein Verhalten wirkt insgesamt wesentlich ruhiger und ausgeglichener. Auch bei plötzlichen Geräuschen bleibt er nun überwiegend gelassen. Statt hektischer Reaktionen zeigt er Aufmerksamkeit ohne Fluchtverhalten. Er liegt häufig entspannt im Wohnzimmer bei uns und wirkt insgesamt deutlich weniger getrieben. Diese Veränderung ist nicht nur für den Hund spürbar, sondern auch für den Menschen wohltuend.

Das Stresslevel ist erkennbar gesunken. Damit ist eine entscheidende Voraussetzung erfüllt: Der Körper und das Nervensystem sind nun in der Lage zu lernen. Erst wenn Daueranspannung nachlässt, kann das Gehirn neue Informationen sinnvoll verarbeiten und speichern. Auf dieser Grundlage wird nun gezielt mit dem Klickertraining begonnen. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, da Lernen unter chronischem Stress kaum nachhaltig möglich ist.

30.12.2025

Veit leckt sich

Veit zeigt ein auffälliges Leck-, Beiß- und Kratzverhalten. Die Ursache ist derzeit unklar. Um eine mögliche Futterallergie oder -unverträglichkeit abzuklären, wird eine einfache (halbe) Ausschlussfütterung durchgeführt. Für die kommenden drei Tage erhält er ausschließlich Dosenfutter mit sehr wenigen zusätzlichen Komponenten: wenig Fleisch, wenig Pansen und wenig Gemüse. Auf Zusätze, komplexe Mischungen und potenzielle Allergene wird bewusst verzichtet.

Sollte eine futterbedingte Problematik vorliegen, ist zu erwarten, dass der Juckreiz innerhalb kurzer Zeit deutlich nachlässt. Bleibt die Symptomatik unverändert, muss weiter differenziert werden. Wichtig ist dabei die systematische Vorgehensweise. Nur durch klare Reduktion und saubere Beobachtung lassen sich belastbare Rückschlüsse ziehen. Wenn der Juckreiz weniger wird, muss differenziert werden ob es am Fleisch, Pansen oder Gemüse liegt.

Eine psychosomatische Disposition ist auch in betracht zu ziehen.

Positive Entwicklung

Insgesamt zeigt sich eine sehr positive Entwicklung. Veit kommt zur Ruhe, wird lernfähig und beginnt, seine Umwelt nicht mehr als permanente Bedrohung wahrzunehmen. Genau auf diesem Fundament kann nun weiter aufgebaut werden. Allerdings sind Treppen, zwar ein kleiner werdendes, immer noch ein Problem. Das wird wohl noch etwas dauern.

31.12.2025

Jetzt geht dieses Jahr zu Ende – und mit ihm auch dieser Blogabschnitt. Es war ein Jahr mit vielen Herausforderungen, Umbrüchen und Lernprozessen. Nicht alles lief glatt, manches war anstrengender als erwartet, und einige Wege mussten erst gefunden werden. Genau das gehört jedoch zu Entwicklung dazu, besonders dann, wenn Hund und Mensch gemeinsam wachsen.

Im kommenden Jahr setzen wir die Arbeit mit Veit konsequent fort. Erfahrungen wurden gesammelt, Fehler gemacht und ausgewertet. Mit dem Jahreswechsel beginnt kein radikaler Neuanfang, sondern ein bewusstes Weitermachen. Darauf lässt sich aufbauen. Struktur, Ruhe und Geduld werden auch im neuen Jahr die zentralen Leitlinien bleiben.

Vielleicht gelingt alles im nächsten Jahr besser als im letzten. Entscheidend ist nicht der Vergleich, sondern die Kontinuität. Entwicklung verläuft nicht linear, sondern in Etappen. Mit Veit gehe ich diesen Weg weiter – Schritt für Schritt, mit klarem Blick und ohne falsche Erwartungen.

Mein Ziel für 2026

  • Die Gesundheit des Hundes
  • Eine gute stabile Ausbildung
  • Eine stabile und feste Bindung
  • Freilauf
  • Die Rennbahn bzw. Coursing.
  • Ausstellung, vielleicht sogar ein bis vier CAC
  • … mein Hund

…ende

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