Januar 2025
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Allgemeines
BARF ist die Abkürzung für „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ und wird teilweise auch als „Bones and Raw Food“ interpretiert. Gemeint ist damit ein Ernährungskonzept für Hunde und Katzen, das sich an der natürlichen Nahrungszusammensetzung ihrer wilden Vorfahren orientiert. Im Zentrum stehen rohes Fleisch, Innereien, Knochen sowie ergänzend Gemüse, Obst und gegebenenfalls Öle oder Mineralstoffe.
In den vergangenen Jahrzehnten hat diese Fütterungsform deutlich an Popularität gewonnen. Viele Halter sehen darin eine bewusstere und kontrolliertere Alternative zur industriellen Fertigfütterung. Anders als bei Trocken- oder Nassfutter liegt die Verantwortung für Zusammensetzung und Qualität der Nahrung vollständig beim Menschen. Ziel ist es, dem Tier eine möglichst ursprüngliche, bedarfsgerechte und nachvollziehbare Ernährung zu bieten. Im Gegensatz zur industriellen Fertigfütterung habe ich beim Barfen die vollständige Kontrolle über die Zusammensetzung des Futters. Ich entscheide, welche Bestandteile in den Napf kommen, in welcher Qualität sie vorliegen und wie sie aufeinander abgestimmt sind. Fehler lassen sich erkennen und korrigieren.
Beim industriellen Futter bin ich auf das angewiesen, was sich in der Tüte oder Dose befindet. Zusammensetzung, Herkunft und Verarbeitung der Inhaltsstoffe entziehen sich weitgehend meiner Kontrolle. Anpassungen an den individuellen Hund sind nur eingeschränkt möglich. Damit liegt die Verantwortung nicht beim Halter, sondern beim Hersteller.
BARF wird häufig als artgerechter angesehen, weil es die physiologischen Voraussetzungen von Hund und Katze berücksichtigt, insbesondere deren Gebiss, Verdauungssystem und Stoffwechsel. Gleichzeitig erfordert diese Fütterungsform Wissen, Planung und Sorgfalt, da Fehler in der Zusammenstellung langfristig zu Mangel- oder Überversorgung führen können. BARF ist damit weniger ein Trend als vielmehr ein Ernährungskonzept, das Verantwortung und Fachkenntnis voraussetzt.
Physiologische Perspektive
Der Nährstoffbedarf von Hunden lässt sich gut aus der natürlichen Ernährung wildlebender Caniden ableiten. Diese ernähren sich überwiegend von Beutetieren, die nicht nur aus Muskelfleisch bestehen, sondern auch Knochen, Organe und teilweise den vorverdauten Mageninhalt pflanzenfressender Tiere enthalten. Auf diese Weise nehmen sie Proteine, Fette, Mineralstoffe, Vitamine und auch Kohlenhydrate in einem funktionalen Zusammenhang auf. Es handelt sich nicht um einzelne Nährstoffe, sondern um ein komplexes biologisches Gesamtpaket. BARF verfolgt genau diesen Ansatz. Ziel ist es, diese natürliche Zusammensetzung möglichst realitätsnah nachzubilden, indem rohes Fleisch, fleischige Knochen, Innereien sowie ergänzend Gemüse, Obst und bei Bedarf gezielte Supplemente kombiniert werden.
Auch aus Sicht der Verdauungsgesundheit wird BARF häufig positiv bewertet. Rohes Fleisch enthält natürliche Enzyme und eine bakterielle Besiedlung, mit der der Verdauungstrakt des Hundes evolutionsbiologisch umgehen kann. Diese Faktoren können zur Stabilisierung der Darmflora beitragen. Hinzu kommt der mechanische Effekt: Das Kauen auf rohem Fleisch und Knochen fördert die Kaumuskulatur und unterstützt die Zahnreinigung. Zahnsteinbildung kann dadurch reduziert werden, ohne auf künstliche Zahnpflegeprodukte zurückzugreifen.
Ein weiterer häufiger Grund für die Umstellung auf BARF sind Allergien und Futtermittelunverträglichkeiten. Viele Hunde reagieren sensibel auf bestimmte Proteine, Getreidebestandteile oder Zusatzstoffe in industriellem Futter. Beim Barfen kannst du die Zutaten gezielt auswählen und auf bekannte Unverträglichkeiten Rücksicht nehmen. Die Fütterung wird dadurch individuell steuerbar. Das macht BARF nicht automatisch besser, aber deutlich präziser anpassbar als standardisierte Fertigprodukte.
Zur Knochenfütterung ist noch zu sagen, dass ich sie bewusst meide. Knochen können splittern und dabei Verletzungen im Maul, in der Speiseröhre oder im Verdauungstrakt verursachen. Dieses Risiko ist real und nicht theoretisch. Hinzu kommt, dass die Beschaffung geeigneter Knochen nicht immer zuverlässig und nachvollziehbar ist. Herkunft, Alter und Verarbeitung lassen sich oft nur unzureichend kontrollieren.
Aus diesen Gründen greife ich zur Calciumversorgung lieber auf definierte Alternativen zurück. Bewährt haben sich beispielsweise gemahlene Eierschalen. Sie liefern Calcium in gut berechenbarer Menge, sind leicht zu dosieren und vermeiden die mechanischen Risiken, die mit Knochen verbunden sind. Für mich ist das eine kontrollierbare, sichere und praktikable Lösung.
Anwendungsspezifische Perspektive
Eine typische BARF-Mahlzeit setzt sich aus mehreren klar definierten Bestandteilen zusammen, die gemeinsam den Nährstoffbedarf des Hundes abdecken sollen.
Der Hauptanteil besteht mit etwa sechzig Prozent aus tierischen Komponenten. Dazu zählen Muskelfleisch, Lefzen, Fettanteile und Innereien, also alles, was sich am und um den Knochen befindet. Auch fleischige Knochen gehören grundsätzlich in diesen Bereich, da sie sowohl Protein liefern als auch zur Calciumversorgung beitragen. Wer keine Knochen füttern möchte, kann auf alternative Calciumquellen zurückgreifen, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben. Innereien sind unverzichtbar, da sie konzentrierte Vitamin- und Mineralstoffquellen darstellen. Muskelfleisch wird grundsätzlich roh verfüttert.
Etwa fünfundzwanzig Prozent der Mahlzeit bestehen aus grünem Pansen. Pansen ist ein äußerst wertvolles Futtermittel, da er zahlreiche Mikronährstoffe, Vitamine, Mineralien sowie bakterielle Bestandteile enthält, die sich positiv auf die Darmflora auswirken können. Auch Pansen wird ausschließlich roh verfüttert.
Der pflanzliche Anteil liegt bei rund fünfzehn Prozent und setzt sich aus Gemüse und Obst zusammen. Diese Komponenten liefern Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Häufig verwendet werden Karotten, Bohnen, Brokkoli, Spinat, Äpfel oder Beeren. Wichtig ist dabei, dass Gemüse gegart wird. Halbgar reicht aus. Rohes Gemüse kann vom Hund oder von der Katze kaum verwertet werden, da die Zellstrukturen pflanzlicher Nahrung unaufgeschlossen bleiben.
Zusätze wie Öle, Eier oder Joghurt können je nach Bedarf ergänzt werden, um die Ration abzurunden. Dabei ist Zurückhaltung geboten. Öle führen bei Hunden und Katzen schnell zu weichem Kot oder Durchfall. Milchprodukte sind für erwachsene Tiere nur eingeschränkt verdaulich. Milch ist Babynahrung. Entsprechend sollten solche Zusätze nur in kleinen Mengen und gezielt eingesetzt werden.
Ergänzungsmittel in Form von Vitaminen und Mineralstoffmischungen werden im Zusammenhang mit BARF häufig angeboten. Der Markt ist groß, und nicht alles, was verkauft wird, ist notwendig. Bei ausgewogener Zusammenstellung der Ration sind viele dieser Produkte überflüssig. Ich verwende solche Zusätze nicht.
Neben der Zusammensetzung spielt die Vorbereitung und Hygiene eine entscheidende Rolle. Rohes Futter birgt grundsätzlich das Risiko bakterieller Belastungen, etwa durch Salmonellen oder E. coli. Um dieses Risiko zu minimieren, sollte Fleisch gefroren gelagert und im Kühlschrank aufgetaut werden. Arbeitsflächen, Näpfe und Hände müssen nach der Zubereitung gründlich gereinigt werden. Zudem sollten ausschließlich frische und qualitativ hochwertige Zutaten verwendet werden.
Die BARF-Ration muss immer an das individuelle Tier angepasst werden. Alter, Körpergröße, Aktivitätsniveau und Gesundheitszustand spielen dabei eine zentrale Rolle. Welpen und junge Hunde haben andere Bedürfnisse als ältere Tiere. Über das Verhältnis von Fleisch, Pansen und Gemüse lassen sich diese Anforderungen vergleichsweise einfach und flexibel steuern.
Regulierung des Gewichtes
Die Gewichtsregulierung ist beim Barfen vergleichsweise einfach und vor allem steuerbar. Bei Dosen- oder Trockenfutter lässt sich das Körpergewicht im Wesentlichen nur über die Futtermenge beeinflussen. Das ist in beide Richtungen problematisch. Wird zu viel gefüttert, nimmt der Hund schnell zu oder reagiert mit Verdauungsproblemen. Wird zu wenig gefüttert, bleibt der Hund hungrig und dauerhaft unterversorgt. Die Nährstoffzusammensetzung bleibt dabei unverändert, egal ob mehr oder weniger gefüttert wird.
Beim Barfen funktioniert das anders. Hier regulierst du nicht primär über die Menge, sondern über die Zusammensetzung der Ration. Ist ein Hund zu dünn, lässt sich der Energiegehalt gezielt erhöhen, etwa durch die moderate Zugabe von Kohlenhydraten wie Kartoffeln oder Reis. Kohlenhydrate liefern schnell verfügbare Energie und fördern die Gewichtszunahme, ohne die gesamte Futtermenge unverhältnismäßig zu erhöhen.
Ist ein Hund zu schwer, wird der Ansatz umgekehrt. Der Fleischanteil, insbesondere fettreiche Komponenten, wird reduziert. Gleichzeitig erhöhst du den Anteil an Pansen und/oder Gemüse. Dadurch sinkt die Energiedichte der Mahlzeit, während Volumen und Sättigungsgefühl erhalten bleiben. Der Hund nimmt ab, ohne zu hungern.
Diese Form der Gewichtskontrolle ist logisch, transparent und gut steuerbar. Sie setzt allerdings voraus, dass du weißt, was du fütterst und warum. Am Rande sei erwähnt: Gebarfte Hunde sind in der Regel nicht übergewichtig. Sie zeigen meist eine gute Muskulatur, klare Taille und insgesamt eine sehr ausgewogene Körperform.
In eigener Sache
Das oben beschriebene BARF-Menü füttere ich seit über fünfzehn Jahren an mehrere Hunde. In dieser Zeit habe ich weder Mangelerscheinungen noch Erkrankungen erlebt, die auf eine unzureichende oder fehlerhafte Ernährung zurückzuführen wären. Die Hunde waren durchweg gut genährt, ohne übergewichtig zu sein, und zeigten stets eine klare, athletische Körperform. Unterversorgung oder extreme Gewichtsschwankungen traten nicht auf.
Auch gesundheitlich haben sich meine Erfahrungen bestätigt. Krankheiten blieben weitgehend aus, zumindest solche, die ernährungsbedingt wären. Das Immunsystem wirkte stabil, die Belastbarkeit war hoch. Besonders auffällig ist der Zustand der Zähne: sauber, fest, ohne nennenswerten Zahnstein oder Entzündungen. Für mich ist das kein Zufall, sondern eine direkte Folge der Fütterung.
Diese langjährige Praxis zeigt, dass das beschriebene BARF-Konzept nicht nur theoretisch funktioniert, sondern sich im Alltag über viele Jahre und bei unterschiedlichen Hunden bewährt hat.
Fazit
BARF kann eine gesunde und natürliche Form der Hundeernährung sein, wenn sie sachlich geplant und konsequent umgesetzt wird. Sie orientiert sich an den physiologischen Voraussetzungen des Hundes und kann sich positiv auf Körperkondition, Verdauung, Zahnstatus und allgemeines Wohlbefinden auswirken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass du dich mit grundlegenden ernährungsphysiologischen Zusammenhängen auseinandersetzt und Verantwortung für die Zusammensetzung der Rationen übernimmst.
Barfen erfordert mehr Aufmerksamkeit als das Öffnen einer Dose oder das Abmessen von Trockenfutter. Planung, Wissen und ein gewisses Maß an Organisation sind notwendig, um Mangel- oder Überversorgungen zu vermeiden. Dieser Aufwand ist real, aber überschaubar. Mit Routine reduziert er sich deutlich und wird Teil des normalen Alltags.
Unterm Strich ist BARF kein Selbstläufer, aber auch keine Wissenschaft. Wer bereit ist, sich mit dem Thema ernsthaft zu beschäftigen, erhält eine flexible, kontrollierbare und für viele Hunde sehr gut verträgliche Form der Ernährung. Der Hund profitiert davon spürbar.
Trockenfutter wurde für Menschen gemacht, nicht für Hunde.

